30 - 11 - 2020

Vorbemerkung

Sicherlich fällt direkt auf, dass der Badische Jakobsweg nicht in Worms beginnt. Das ist auch mir bewusst. Den Verbindungsweg zwischen Worms und Speyer könnte man dem Rheinhessischen oder dem Pfälzer Jakobsweg zuweisen. Von Speyer bis Malsch bin ich den Jakobsweg von Rothenburg o.d.T. nach Speyer rückwärts gelaufen und dann auf den nördlichen Teil des Badischen Jakobsweges abgebogen. Dies war für mich Anlass, die ganze Woche im Juni 2020 nur einem Jakobsweg zuzuordnen, und da blieb nur der Badische Jakobsweg, den ich ja dann ab Lichtenthal irgendwann fortsetzen werden.

 

Von Worms nach Limburgerhof (15. Juni 2020)

Eigentlich wäre ich jetzt schon eine Woche auf dem Caminho da Geira e dos Arrieiros vom portugiesischen Braga nach Santiago de Compostela unterwegs. Das war nur eine Idee für 2020, die durch die Corona-Pandemie zunichte gemacht wurde. Ich bin aber zum Glück kein Einzelfall, viele Menschen auf dieser Welt habe sich das Jahr wohl etwas anders vorgestellt und mussten sich mit den Gegebenheiten abfinden. Für mich standen im Mai und Juni ganze sechs Wochen Urlaub an, die gut gefüllt waren. Neben der bereits angesprochenen Pilgertour in Portugal und Spanien war auch eine zweiwöchig Reise nach Kreta, das Festival Rock am Ring und eine Woche als Volunteer bei den Special Olympics in Koblenz eingeplant. Stattdessen kam eine unangemeldete Schilddrüsenoperation dazu. Meine Frau meinte dann, ich solle nach den Lockerungen im öffentlichen Leben doch zumindest eine Woche in Deutschland pilgern gehen. Das war eine gute Idee, die ich noch am selben Tage geplant habe.

Von Limburgerhof nach Reilingen (16. Juni 2020)

Normalerweise habe ich einen sehr guten Schlaf, doch in dieser Nacht wurde ich zweimal durch den niederprasselnden Regen wach. Gegen 1:00 Uhr nutzte ich die Gelegenheit, meine Blase an der hinteren linken Kante des rechten Fußes zu versorgen. Da sich die Blase unter der Hornhaut gebildet hatte, entschied ich mich dazu, mit einem kleinen Schnitt die Flüssigkeit ablaufen zu lassen und das Ganze mit einem Compeed-Pflaster zu bedecken. Danach bin ich noch einmal eingeschlafen, aber es blieb unruhig. Später packe ich meinen Rucksack, nehme aber nur das Nötigste mit, da ich ja noch eine weitere Nacht in Speyer bleibe. Der Bahnhof ist nur zehn Minuten von meiner Unterkunft entfernt, die ich gegen 7:30 Uhr verlasse. Gegen 8:30 Uhr steige ich in Limburgerhof aus der S3 aus, kaufe ich mir noch zwei belegte Laugenstangen und beginne mit der heutigen Etappe.

Von Reilingen nach Ubstadt (17. Juni 2020)

Erneut hatte ich eine unruhige Nacht. Im tiefsten Schlummer war weit entfernt ein leises Klopfen zu hören, das mich zunächst aber nicht beeindruckte. Als es sich aber ständig wiederholte war es mit dem Tiefschlaf vorbei - meine Uhr zeigte 1:00 Uhr an. Ich quälte mich aus dem Bett und schlurfte zur Tür, die ich langsam öffnete. Vor mir stand ein italienischer Gast in Unterwäsche auf dem Flur, den ich gestern bereits im Haus gesehen hatte. Er erklärte mir, dass er auf der Toilette war, seine Zimmertür angelehnt hatte und diese nun verschlossen sei. Und der Schlüssel befand sich im Zimmer. Er versuchte es mit meinem Schlüssel was natürlich scheiterte. Mir war eigentlich sofort klar, dass in einem Beherbergungsbetrieb ein Schlüssel nicht auf mehrere Zimmer passen würde. Ich gab ihm mein Handy und er telefonierte mit den Eigentümern, die ihn wohl kurz darauf aus seiner misslichen Lage befreiten. Nachdem er sich mehrfach bei mir bedankte hatte, legte ich mich wieder ins Bett und schließ anscheinend bald ein.

Von Ubstadt nach Grötzingen (18. Juni 2020)

Eine innere Unruhe hat mich schon früh gegen 6:00 Uhr wach werden lassen. Es hat keinen Zweck, mich noch einmal umzudrehen, also mache ich mich in aller Ruhe fertig. Und in aller Ruhe heißt tatsächlich, wie es da steht. Schließlich bin ich nicht alleine im Zimmer und möchte Abdilhadir nicht unnötig aus dem Schlaf reißen. Da habe auch bereits genügend eigene Erfahrungen, wenn Pilger im Schlafsaal völlig rücksichtslos und lärmend in der Früh ihre Sachen zusammenpacken. Gestern Abend habe ich schon alles vorbereitet, sodass ich nur den Rucksack und ein paar Kleinigkeiten greifen muss. Den Rest erledige ich in der Küche, die zu dieser Zeit noch nicht genutzt wird. Ich nehme heute auch nur das Notwendigste mit und bin erfreut über das geringe Gewicht auf meinem Rücken.

Von Grötzingen nach Waldprechtsweiher (19. Juni 2020)

Ich laufe heute noch einmal mit Sandalen an den Füßen und nehme erneut nur das Nötigste mit auf den Weg. Schon früh um 6:40 Uhr mache ich mich auf zur S-Bahn-Station und kaufe mir in der selben Bäckerei wie gestern die gleichen Brötchen - die waren lecker! Die Anreise zum Startpunkt ist die kürzeste von allen Tagen und um 7:15 Uhr bin ich schon in Bewegung. Zum Aufwärmen geht es steil aufwärts, dass ich nur langsam voran komme und die Gelegenheit nutze, mein Frühstück zu vertilgen.

Von Waldprechtsweiher nach Lichtenthal (20. Juni 2020)

Der heutige Samstag bildet den Abschluss meiner Corona-Ersatz-Pilgertour. Ich mache mich wieder einmal früh auf den Weg, verlasse gegen 7:30 Uhr möglichst geräuscharm mein Zimmer und das Hostel. Niemand außer mir scheint schon auf den Beinen zu sein. Es ist etwas Eile angesagt, denn in zwölf Minuten fährt meine S-Bahn nach Ettlingen ab. Zum Glück sind es nur ein paar Schritte bis zur Haltestelle. Mir bleibt sogar noch Zeit, wie bereits gestern, ein kleines Frühstück für unterwegs zu kaufen. In Ettlingen steige ich in den Bus um, der mich nach Waldprechtsweiher bringt, wo ich kurz nach 9:00 Uhr ankomme. Heute ist der Himmel noch stark bewölkt und nur vereinzelt lugt ein wenig blaue Farbe hervor.