Von Oberkirch nach Schutterwald (13. Juli 2022)

Ein neuer Tag beginnt mit den ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster. Ich bereite mich und meine Ausrüstung schon einmal vor und gehe zum Frühstück. Im Speisesaal bin ich der Erste und habe die komplette Auswahl für mich alleine. Gegen 8:30 Uhr verlasse ich das Schönstatt-Zentrum. Gleich zu Beginn erwartet mich ein Anstieg durch die Weinberge. Aber auch Obstanbau wird in der Region intensiv betrieben. Am Weg findet man Apfel-, Kirsch-, Birnen- oder Pfirsichbäume. Ich passierte die kleine Judas Thaddäus-Kapelle und erreiche gleich darauf die deutlich größere St. Wendel-Kapelle. Diese ist verschlossen wird aber dann vor meiner Nase von einer älteren Dame geöffnet. Drinnen ist sogar rechts hinter dem Eingang ein Pilgerstempel erhältlich. Im Gespräch erfahre ich, dass die Kapelle täglich von circa 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit offen ist.

Auf den folgenden Kilometern gibt es viel zu sehen. Nur ein paar Schritte hinter St. Wendel-Kapelle kann man linker Hand an einer Schutzhütte eine Lourdes-Grotte bestaunen. Als nächstes folgt die Teufelskapelle, in der sich eine Mutter Gottes-Statue befindet. An dieser Stelle soll einer Sage nach der Teufel Wendel getroffen haben und von diesem übers Ohr gehauen worden. So ziemlich genau bei Kilometer 5 steht am Rand ein "Trinkhisli", das dem durstigen Wanderer einiges anbietet. Ich habe jedoch drei Liter Wasser dabei und es geht momentan durch schattig-kühlen Wald. Gut tausend Schritte weiter stehen das Schwarze Kreuz und eine weitere Möglichkeit, Getränke und Snacks aufzunehmen. Da steckt bestimmt der Teufel dahinter, der mich verführen will, ich bleibe aber standhaft bei meinem Wasser. Auf dem Weg zum Schloss Staufenberg befindet sich der Rheintalblick, von dem man bereits den Turm des Straßburger Münsters am vernebelten Horizont erkennen kann. Als ich aus dem Wald trete, erblicke ich das Schloss, das heute ein Weingut beherbergt. Und zu guter Letzt habe ich beim Abstieg nach Durbach mit einem Rehkitz und seiner Mutter eine tierische Begegnung.

In Durbach besichtige ich die katholische Pfarrkirche St. Heinrich, in der ich aber keinen Stempel vorfinde. Ich durchwandere den Ort und biege an einer Klinik wieder in einen Wald ab. Nach drei Stunden und 12 Kilometern finde ich an einer kleinen Kapelle und einem Waldspielplatz endlich eine schöne Stelle, um eine Pause einzulegen, die dann mit einer halben Stunde ausgiebig wird. Während ich auf einer Bank sitze, werde ich von einer dort spielenden Gruppe eines Kindergartens neugierig beobachtet. In diesem Bereich sind alle paar Meter kleine Insektenhotels angebracht, die aber kaum belegt sind. Nach der Pause verlaufe ich mich direkt, merke das aber sehr schnell durch einen Blick auf meine digitale Karte. Da habe ich wirklich gepennt. Allerdings ist die Qualität der Markierungen sehr unterschiedlich. Oft sind sie richtig gut, aber gerade an Kreuzungen und Abzweigen nur schlecht oder gar nicht vorhanden, dabei häufig nicht im Blickfeld des Pilgers oder hinter einem solchen Punkt. Sich nur darauf verlassen, dass es solange geradeaus geht, bis zur nächsten Markierung, der macht viele unnötige Meter extra und hat hoffentlich die passenden GPS-Daten dabei.

Ich nähere mich nun der Kreisstadt Offenburg und nehme als erste Sehenswürdigkeit die Wallfahrtskirche Mariä Schmerzen mit. Drinnen bin ich zwar alleine, stelle aber fest, dass die Vorbereitungen für eine Trauerfeier abgeschlossen sind - einschließlich der vor dem Altar platzierten Urne des Verstorbenen. Im vorderen Bereich des Kirchenschiffes lacht Jakobus den Pilger von der Wand an. Es geht nun einmal quer durch Offenburg, auch durch eine Fußgängerzone. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, eine kleine Mahlzeit zu erhalten. Da ich mich aber bereits nachher am Kochtopf sehe, eile ich unbeeindruckt weiter.

Es wird wärmer und meine Füße sehnen sich nach Freiheit. Bevor es über die eigentlich für Fußgänger und Fahrradfahrer gesperrte Kinzigbrücke quere, schaue ich mir noch die Heilig Kreuz-Kirche an. Auch hier: Stempel Fehlanzeige. Ich muss nun ein Gewerbegebiet durchlaufen. Schön ist etwas anderes, aber es gehört nun mal zum Weg dazu. Den letzten Abschnitt darf ich aber erneut durch einen Wald absolvieren. Hier entdecke ich auch die Wegzeichen des Badischen und des Kinzigtäler Jakobsweges. An einer Kreuzung steht ein sogenanntes Cruz de Ferro - ein eisernes Kreuz. Schließlich erreiche ich meine Unterkunft in Schutterwald gegen 14:45 Uhr. Da meine Vermieterin heute erst spät zurückkommt, erhalte ich bei den Nachbarn den Schlüssel zur Ferienwohnung. Wenn Sie denn da wären, denn wie ich am Telefon erfahre, mussten sie kurzfristig zum Zahnarzt. Ich suche inzwischen die katholische Pfarrkirche St. Jakobus auf und laufe ohne weiteren Stempel noch zu einem Supermarkt. Ein paar Nudeln, etwas Soße und Getränke landen im Einkaufsbeutel. Als ich wieder an der Unterkunft bin, erscheinen wenig später auch die Nachbarn, sodass ich meine Ferienwohnung beziehen kann. Wie immer ist erst die Wäsche dran, danach der Körper und dann der Magen. Da es draußen noch sehr warm ist, hänge ich die Wäsche auf einen Ständer und kann sie schon gegen 19 Uhr wieder trocken reinholen. Dabei treffe ich den Sohn meiner Vermieterin, der mir erzählt, dass er morgen einen Hilfstransport für die Ukraine fährt. Jetzt heißt es ausruhen. Morgen geht es auf dem Kinzigtäler Jakobsweg weiter nach Straßburg.

Diese Etappe ist ein Abschnitt meiner Pilgertour auf dem Badischen, Kinzigtäler und Elsässer Jakosbweg von Lichtental nach Sélestat im Juli 2022. Die Fortsetzung gibt es HIER.