Markierungs- und Pilgerführerkontrolle 2021

14.06.2021: 1. Tag Köln - Bad Godesberg (48 km)

Der Camino hat mich wieder – zumindest habe ich heute meine diesjährige Kontroll- und Recherchetour auf dem Linksrheinischen Jakobsweg gestartet. Wie bereits im vergangenen Jahr führte mich meine erste Etappe per Fahrrad von Köln nach Bad Godesberg. Allerdings begann der Tag zunächst mit einigen seltsamen Ereignissen. Kurz vor der Fahrscheinkontrolle im Zug nach Köln fiel mir auf, dass mein Ticket das Datum 23.08. trug. Da hat die Bahn-App nicht das Tagesdatum sondern das Datum meines letzten gekauften Fahrscheines angezeigt - und ich habe es nicht bemerkt. Zum Glück konnte ich mir noch ein neues Ticket online kaufen und galt somit nicht als Schwarzfahrer - und das erste konnte ich unter Erstattung der Kosten stornieren. Gegen 8:30 Uhr kam ich in Köln an und ging kurz in den Dom, wo jedoch bald ein Gottesdienst begann und ich nur im hinteren Bereich verweilen konnte. Ich wollte sowieso zur Tourist-Info, um mir dort einen ersten Stempel abzuholen. Auch das funktionierte nicht, denn nach Aussage der Mitarbeiterin gäbe es dort keinen Pilgerstempel. Das wunderte mich, den überall wird die Tourist-Info als Stempelstelle angegeben.

So fuhr ich halt ohne Stempel los, machte einen kurzen Halt an den romanischen Basiliken Maria im Kapitol und St. Georg, bevor ich im Severinsviertel beim Betreten von St. Severin von einem Mitarbeiter die Info bekam, dass das Pfarrbüro geöffnet sei und ich dort einen Stempel bekommen könne. Einmal um die Kirche herum und schwupps, hatte ich meinen Kölner Stempel. Die Kontrolle der Stempelstellen gehörte heute auch zu meinem Aufgabenkatalog. Wegemarkierungen gab es in Köln wie im vergangenen Jahr so gut wie keine, die verschwinden schneller, als man sie anbringt. Deshalb habe ich kein Material verschwendet, außerdem gibt es eine ausführliche Wegbeschreibung auf der Website des Linksrheinischen Jakobsweges (www.linksrheinischer-jakosbweg.info).

Es dauerte nun nicht mehr lange und ich befand mich auf dem Leinpfad am Rhein, der heute einer meiner längsten Begleiter sein würde. In Rodenkirchen verließ ich den Fluss, denn die markierte Strecke kürzt einen Rheinbogen um einiges ab. Unterwegs holte ich mir im Sekretariat des örtlichen Gymnasiums den nächsten Stempel, der vor einigen Jahren von einer Pilger-Projektgruppe der Schule entworfen wurde. Damals durfte ich im Rahmen dieses Projektes mit weiteren Jakobsweg-Aktiven einen Kurzvortrag halten. Durch den Stadtteil Sülz radelte ich wieder in die Nähe des Rheins, durfte sogar durch eine für Dreharbeiten zu einem Film gesperrte Straße durchfahren. Meinen nächsten Halt machte ich in Hersel, wo in der St. Aegidius-Kirche seit kurzem ein Pilgerstempel hinterlegt ist. Diesen findet man unmittelbar hinter dem Eingang vor dem ersten Beichtstuhl.

Der Tag hatte sich inzwischen bei strahlendem Sonnenschein deutlich verbessert, und die schönsten Erlebnisse standen mir noch bevor. Ich hatte nämlich eine Verabredung an der Namen-Jesu-Kirche in Bonn, um dort einen neuen Pilgerstempel zu übergeben. Die Kirche ist die Bischofskirche des deutschen Bistums der Alt-Katholiken, die in der Krypta sogar einen Urnen-Friedhof beherbergt. Die Idee zum Stempel hatte die evangelische Klinikseelsorgerin Margarete Catharina Scheuvens, die in Zusammenarbeit mit Alexander Eck, dem Vorsitzenden des Vorstandes der Stiftung Namen-Jesu-Kirche, und mir einen Entwurf entwickelte. Herausgekommen ist ein wirklich schöner Pilgerstempel, der sich in das Gesamtkonzept des Geistlichen Gasthauses an den Wegen der Menschen (so steht es auf der Website des Gotteshauses, www.namenjesukirche.de) wunderbar einfügt. Herr Eck ließ es sich im Beisein der Friedhofsbeauftragten Stefanie Weimbs-Rust nicht nehmen, mir den ersten Stempel in meinen Pilgerpass zu drücken. Und auch der kleine Hoffnungsstempel, den ich für Frau Scheuvens entworfen hatte, fand seinen Platz darin. Ab sofort ist der Pilgerstempel zu den Öffnungszeiten der Namen-Jesu-Kirche dort erhältlich.

Nach einem etwas längeren Aufenthalt in Bonn wurde es Zeit für den letzten und auch gleich anstrengenderen Abschnitt des Tages. Der führte mich am Poppelsdorfer Schloss vorbei auf den Venusberg, dessen Anstieg ich aber erstaunlicherweise gut hinbekam. Es ging an den Gebäuden der Bonner Universitätskliniken vorbei und danach durch schattige Waldstücke. Die Zeit verging wie im Fluge und ich erreichte rasch Bad Godesberg, wo es mich zunächst zur Michaels-Kapelle zog. Hier gibt es gleich drei Stempel: von der Godesburg, der Kapelle und von Schwester Benedicta, die gleich nebenan in einer Eremitage lebt. Ich freute ich sehr, dass sie zuhause war und wir uns nach längerer Zeit wieder einmal sehen konnten. Ich war schon mehrfach bei ihr wegen den Stempeln und den wunderschönen Kerzen, die sie verziert. Nach diesem schönen Abschluss ziehe ich eine mehr als positive Bilanz des Tages. Ich musste nur vier Markierungsaufkleber und ein Aluschild ergänzen, ein Pilgerstempel wurde übergeben und ich habe viele nette Menschen getroffen. Der Camino hat mich wieder.

21.06.2021: 2. Tag Bad Godesberg - Oberwinter (18 km)

Gutes Pilgerwetter war für heute angekündigt - Grund genug, den nächsten Abschnitt des Linksrheinischen Jakobsweges anzugehen. Am Bahnhof Oberwinter fand ich direkt einen guten Parkplatz und fuhr von dort mit dem Zug zum Startort Bad Godesberg. Beginn war im Kurpark mit Blick auf die Godesburg, die gerade von der Sonne angestrahlt wurde. Weiter ging es durch den Redoutenpark, am Draitschbrunnen und der früheren Marienforster Kirche, seit ein paar Jahren die Heilige Elena Kirche der Bonner russisch-orthodoxen Mariä-Schutz-Gemeinde, vorbei. Just in dem Moment, als ich einen Markierungsaufkleber erneuern wollte, traf ich auf dem angrenzenden Grünstreifen eine ganze Armada Weinbergschnecken, die sich in einem unglaublichen Tempo von mir entfernte. Es folgte die immer wieder idyllisch wirkende Marienforster Promenade inmitten des zweigeteilten Godesberger Baches. Anschließend ging erstmals über freies Feld, wo am Rande von Maisstauden auch Futterblumen für Insekten gepflanzt wurden.

Es folgte die Waldpassage bis Heiderhof, in der ich eine gestohlene Wegmarkierung erneuern und zwei weitere ergänzen musste. Auch hinter dem Waldfriedhof ergänzte ich eine Markierung, damit der Weg eindeutiger zu finden ist. Erfreut war aber auch über die im Vorjahr neu angebrachten und immer noch an Ort und Stelle befindlichen Schilder. So verging die Zeit beinahe wie im Fluge und ehe ich mich versah, befand ich mich mitten in den Stachel- und Johannisbeerfeldern rund um Ließem. Und nur ein paar Ecken weiter ging es am Ließemer Heiligenhäuschen schon abwärts nach Niederbachem. Da hier die Kirche zumeist verschlossen ist, hat sich dankenswerterweise die Familie Bollig um eine andere Möglichkeit für einen Pilgerstempel bemüht. Neben dem Hotel Dahl kann man sich rund um die den Stempel aus einem roten Briefkasten, der das Markierungszeichen des Weges trägt selbst bedienen. Es wäre schön, wenn sich Pilger auch in das beiliegende Pilgerbuch eintragen würden. Nachdem ich meinen Pilgerausweis gestempelt und auch mich im Pilgerbuch verewigt hatte, klingelte ich einfach mal. Kathrin Bollig, die diese tolle Idee hatte, war zu Hause und wir plauschten ein wenig über unsere Pilgerpläne. Nochmals vielen Dank für den Pilgerstempel.

Als ich weiterzog, kam allmählich stärkerer Wind auf und graue Wolken ließen nur noch selten die wärmenden Sonnenstrahlen durch. Nach einem Blick auf das Regeradar musste ich nichts befürchten, aber schon bald begann es leicht in dünnen Fäden zu regnen. Zum Glück stimmte noch die Temperatur und das Blätterdach über mir schütze mich vor den Regentropfen. Im Bereich Rolandseck und kurz vor Oberwinter musste ich dann doch noch zwei weitere Markierungszeichen erneuern, die sich irgendwer mitgenommen hatte. Das ist mir einfach unbegreiflich. Wer unbedingt ein solches Schild haben möchte, kann sich gerne an uns wenden, wir hätten da ein paar von. Aber ich finde es unfair gegenüber allen nachfolgenden Pilgern, einfach wichtige Markierungen zu entfernen. Inzwischen hatte auch der Regen aufgehört und ich landete im Oberwinterer Ortsteil Birgel, wo ich meine heutige Kontrolltour beendete. Allerdings machte ich mir ein paar Notizen, wie man zum Bahnhof gelangt - es sind lediglich 500 Meter - für Tagespilger sicherlich wichtige Informationen.