Markierungs- und Pilgerführerkontrolle 2021

10.08.2021: 1. Tag Lahnstein - Osterspai (Teile 1. Etappe, 16 km)

Als mich meine Frau Susanne am heutigen Morgen fragte, „was machen wir denn heute an deinem Geburtstag?“, fiel mir nichts Besseres ein, als auf einem weiteren Stück unserer Jakobswege die Markierungen zu kontrollieren. Damit war sie einverstanden, denn auf dem Abschnitt zwischen Lahnstein und Osterspai gibt es immer wieder tolle Aussichten auf das Rheintal. Es wurde zwar etwas später als die letzten Kontrolltouren, aber gegen 11:00 Uhr waren wir in Lahnstein. Zunächst ging es zur Tourist-Info am Salhofplatz, wo ich mir den ersten Pilgerstempel des Tages abholte. Danach fuhren wir zum Parkplatz am Rhein in der Nähe des Bahnhofes Oberlahnstein, an dem wir am Nachmittag wieder eintreffen sollten.

Dann ging es los. Zunächst an der Martinsburg vorbei auf dem völlig flachen Leinpfad entlang des Rheins nach Braubach. Eine erste Markierung fehlte, als der Leinpfad durch eine Unterführung verlassen werden musste. Die Spuren des Klebers der verschwundenen Markierung waren noch erkennbar. Also klebte ich das neue Schild deutlich höher und musste beinahe eine akrobatische Einlage hinlegen. Leider stellten wir heute mehrfach ähnliche Spuren von entfernten Markierungsschildern fest und mussten diese erneuern. Es bleibt mir immer wieder unergründlich, warum Mitmenschen sich an fremdem Eigentum vergehen müssen.

In Braubach holte ich mir den nächsten Stempel in der Tourist-Info im Rathaus - das übrigens mit einem Muschelschild als Hinweis auf die Stempelstelle versehen ist. Auch ein wenig weiter entdeckten wir ein ähnliches Schild an einer Pension, wo Pilger anscheinend willkommen sind. Es folgte nun ein erster leichter Anstieg bis zur St. Martin-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die jedoch verschlossen ist. Vor ein paar Jahren durften wir sogar einmal einen Blick in die als Friedhofskapelle genutzte Kirche hineinwerfen. Von der Rückseite hat man bereits einen ersten schönen Ausblick.

Nun erwartete uns der erste anstrengende Anstieg, der zwischendurch mit zwei tollen Aussichtspunkten mit Bank aufwartete. Hier machten wir auch eine kleine Mittagspause. Es folgte der Rest des Aufstieges bis zu einer Schutzhütte, die vorerst der höchste Punkt des Tages sein sollte. Der Weg führte nun vorbei an einem Schauköhlermeiler, der etwas unterhalb von uns lag, und einem leider immer noch abgesperrten Sauerbrunnen im Dinkholdertal. Hier trafen wir dann auch mal ein paar andere Wanderer, von denen zwei sich für unsere Arbeit interessierte. Allerdings war er der Meinung, die Muschelmarkierung stelle doch einen Aussichtspunkt dar, und der wäre doch in einem Tal fehl am Platze.

Nach weiteren Aussichtspunkten, unter anderem auch mit einem ersten Blick auf unser Ziel Osterspai mussten wir auf schmalen Pfaden durch frühere Weinberge mit ihren alten Trockenmauern absteigen. Das fiel manchmal etwas schwer, da auf dem Boden mal größere, mal kleine Steinbrocken herumlagen. Schließlich erreichten wir ein eingezäuntes Areal und mir kam die Markierung an einem Pfosten sehr seltsam vor. Gemäß der Richtung, die uns die Muschel vorgab, hätten wir rechts abwärts gehen müssen. Das war aber definitiv falsch. Das Zeichen wurde anscheinend umgedreht und wies damit in die falsche Richtung. Während ich das Aluschild umschraubte, bemerkte ich, dass auch weitere Pfosten sehr neu aussahen. Ich kam also zu dem Schluss, dass hier lediglich eine neue Umzäunung angebracht wurde, der unbekannte Arbeiter es gut meinte und das Schild vom alten auf den neuen übertrug - vermutlich war ihm die integrierte Richtungsanzeige des Symbols unbekannt. Ein Blick in mein Buch bestätigte dies - früher gab es hier einen maroden Jägerzaun.

Nun dauerte es nicht mehr lange, bis wir an ein kleines Heiligenhäuschen vorbeikamen, das mir den baldigen Abzweig nach Osterspai ankündigte. An der Straße nach Osterspai vermisste ich sofort eine Holzskulptur, die neben einem Aussichtspunkt platziert war. Jetzt gibt es dort „nur“ noch eine Ruhebank und eine schöne Aussicht. Rund einen Kilometer weiter waren wir in Osterspai. Ein Blick auf die Uhr und in den Fahrplan der Bahn mahnte uns zur Eile, denn in acht Minuten fuhr der Zug nach Oberlahnstein ab. Deshalb entfiel heute der Besuch der katholischen Pfarrkirche St. Martin, in der es eine Jakobusfigur zu bewundern gibt. Eigentlich sollte es in der Kirche inzwischen auch einen Pilgerstempel geben. Hierzu bekam ich fast zeitgleich die Information der Pfarrsekretärin aus dem zuständigen Pfarramt in Kamp-Bornhofen, dass es Verzögerungen bei der Herstellung von den bestellten Aufbewahrungskästchen in der Caritas-Werkstatt in St. Goarshausen auch für andere Pilgerstempel der Pfarrei gegeben hatte. Das fällt aber für mich in die Rubrik „Ist so und kann man nicht ändern“. Ich freue mich trotzdem, wenn die Stempel in den vorgesehenen Kirchen den Pilgern zur Verfügung stehen. Das soll jetzt Ende August der Fall sein.

Es waren nur noch sechs Minuten bis zu Abfahrt des Zuges. Der Mobilfunkempfang hier war nicht so toll und es dauerte eine Zeit, bis ich die Bahntickets gekauft hatte. Noch zwei Minuten. Wir waren inzwischen am Dorfplatz angekommen, wo sich der Bahnhof befindet. Noch durch die Unterführung zum Gleis in Richtung Koblenz, die Treppe hoch und schon fuhr der Zug ein. Das hat ja gepasst. Heute mussten wir 2 Aufkleber und 14 Aluschilder erneuern oder ergänzen.

Ach ja, eine tolle Erkenntnis hatte ich noch unterwegs. Ich wurde an einem Dienstag geboren. Dies wiederholt sich immer dann, wenn in Santiago de Compostela ein Heiliges Jahr ausgerufen wird, also der 25. Juli auf einen Sonntag fällt - so wie in diesem Jahr! Mir wurde also das Pilgern praktisch in die Wiege gelegt.

 

07.09.2021: 2. Tag Osterspai - Kamp-Bornhofen (Teile 1. Etappe, 7 km)

Gerade erst vom Camino Portugues und Santiago de Compostela zurück in der Heimat, nutzten Susanne und ich einen freien Nachmittag, um ein kurzes Stück auf dem Rhein-Camino zu kontrollieren. Zuvor habe ich mir am Vormittag die neue Stempelstelle am Lahn-Camino in der Lahnsteiner Josefskapelle angeschaut. Den Stempel findet man auf der linken Seite in der Kapelle.

Gestartet sind wir an der Osterspaier Pfarrkirche St. Martin. Auch hier liegt nun ein Pilgerstempel im Eingangsbereich in einem Holzkästchen am Schriftenstand aus. In weiteren Pfarrkirchen der Pfarrei Heilige Elisabeth von Schönau, die ihren Sitz in Kamp-Bornhofen hat, sind ab sofort weitere Stempel verfügbar. Außerdem kann man in Osterspai eine Statue von unserem Pilgerheiligen Jakobus vorfinden. Eigentlich liegt der Ort nicht direkt am Rhein-Camino, für den nicht mit der gelben Muschel markierten Abstecher muss man eine zusätzliche Wegstrecke von 2 Kilometern (Hin- und Rückweg) hinzufügen.

Wieder zurück auf dem Rhein-Camino begann gleich die Arbeit, denn es fehlte genau an dieser Stelle eine Markierung. Danach ging es erstmal ein längeres Stück aufwärts, zunächst auf Asphalt, danach auf einer Schotterpiste in den Wald hinein. Von der Höhe hatte man schon einen schönen Ausblick ins Rheintal, insbesondere auf das auf der gegenüberliegenden Seite angesiedelte Boppard. Auch am folgenden Ackerland und in einem Waldstück fehlten Markierungen an Abzweigungen, die anscheinend durch Baumfällungen und dem Austausch von Markierungspfosten , aber auch durch mutwilliges Entfernen fehlten.

An einer großen Kreuzung mit Schutzhütte konnte man auf einer Infotafel einiges zu der hier installierten Allee der Bäume des Jahres lernen. Wir folgten dieser Allee bis zum Jakobstempel, einem weiteren Aussichtspunkt auf den Rhein und erneut Boppard. Ab hier begann der Abstieg nach Kamp-Bornhofen. Am Wegesrand stand bereits das dritte große Kreuz am heutigen Tag und kurz darauf öffnete sich der Blick auf die katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus von Kamp-Bornhofen. Den dortigen Pilgerstempel konnte ich mir aus Zeitgründen heute nicht holen, das wird bei der nächsten Tour nachgeholt. Inzwischen hatte ich 1 Aufkleber und 7 Aluschilder angebracht, in der Hoffnung, dass diese nun etwas länger Pilgern den Weg weisen als ihre Vorgänger. Nach gut 95 Minuten reiner Gehzeit erreichten wir schließlich unser Ziel.